Künstlerhaus in Stroh-Lehm-Holzbauweise mit Kalk-Außenputz bei Rottenburg am Neckar

Künstlerhaus in Stroh-Lehm-Holzbauweise mit Kalk-Außenputz bei Rottenburg am Neckar

Die Ausgangslage: Eine Baulücke in einem alten Ortsteil mit Gestaltungssatzung, aber ohne Bebauungsplan – Geschossigkeit und maximale Firsthöhe waren vorgegeben, alles andere musste sich am Ortsbild orientieren. Die Bauherrin, bildende Künstlerin, wollte ein Haus, das sie mit eigenen Händen mitgestalten kann, auf einem Grundstück mit leichter Hanglage.

Die Lösung: Ein modulares, flexibel teilbares Einfamilienwohnhaus mit spitzem Satteldach, das die Hangsituation in drei eigenständig erschlossene Wohnebenen übersetzt. Von Süden führt der ebenerdige Eingangsvorbau in die Hauptwohnung im Erdgeschoss, verbunden über eine interne Treppe mit dem Dachgeschoss. Hangabwärts nach Norden liegt, ebenfalls ebenerdig von außen zugänglich, eine separate Einliegerwohnung im Souterrain. Eine dritte, eigenständige Einheit im ausgebauten Spitzboden wird über eine außenliegende Treppe erreicht, die über die Flachdachterrasse des Eingangsvorbaus zu einer eigenen Haustür führt.

Die strohgedämmte Gebäudehülle erreicht KfW-40-Standard – ganz ohne Zwangslüftung, nur mit natürlicher Fensterlüftung. Eine slowenische Strohbau-Fachfirma lieferte vorgefertigte Elemente an, die vor Ort montiert wurden. Drei unbeheizte Anbauten außerhalb der thermischen Hülle – Atelier, Orangerie und Eingangsvorbau – wurden zur Experimentierfläche der Künstlerin: mit Recyclingmaterial, gebrauchten Fenstern und bunten Flaschenfenstern gestaltet, übernehmen sie zugleich die Funktion von Klimapuffern. Die thermische Masse der Naturbaustoffe – Strohballenwände mit Kalk-Leichtputz außen und Lehmputz innen – sorgt für erstaunlich stabile Behaglichkeit.

Was ich gelernt habe: Strenge gestalterische Vorgaben und kreative Selbstverwirklichung schließen sich nicht aus – im Gegenteil, sie können sich gegenseitig schärfen. Eine Hanglage lässt sich nutzen, um aus einem Baukörper mehrere unabhängige Wohnebenen zu entwickeln, ohne die vorgegebene Geschossigkeit zu sprengen.